Samstag, 17. September 2011

"Einschlafen ist höflicher als gehen"- Reisetagebuch Tag 2

Der Sonntag unserer Reise lässt sich wohl getrost unter dem Thema Gottesdienst speichern, denn davon durften wir an diesem Tag zwei erleben.
Zunächst ging es nach dem Frühstück in eine nahegelegene Kirche zum Kindergottesdienst. Schon vor der Türe wurden wir von einer riesen Gruppe Kinder jeglichen Alters mit Gesang empfangen.
Der Präses und seine Frau, mitlerweile in für Kamerun typische Kleider gehüllt, die sie beim Frühstück vom Centre Polivalent überreicht bekommen hatten, wurden von einer besonders süßen Kleinen begrüßt.
In der Kirche hieß es für die Kinder dann in den Reihen platznehmen, während wir vorne am Rand saßen. Erst hier wurde richtig deutlich wie viele Kinder es wirklcih waren, nämlich geschätzt über hundert. Während die Kinder also saßen und vorne zwei der Helfer den Gottesdienst leiteten, liefen die anderen Helfer durch die Gänge und animierten die Kinder zum mitmachn und mitsingen. Dieser Gottesdienst gehört eindeutig zu den Höhepunkten meines Aufenthalts hier. Sein Ende trieb mir dann auch die Tränen in die Augen, als die Kindergottesdienstbeauftragte der Delegation der EKvW mit den Kindern "Hallelu, hallelu, hallelu, halleluja, Preiset den Herrn" zu singen begann.Mit diesem Lied verbinde ich unweigerlich die vielen Kindergottesdienste zuhause, die ich hier sehr vermisse.
Direkt im Anschluss ging es wieder in die Busse und weiter zum nächsten Gottesdienst. Dieser war einfach nur riesig, und es handelte sich nun auch um den Festgottesdienst zur Feier des Jubiläums. Wieder waren alle Gruppen und Chöre der kirche versammelt, und saß unter Pavillions, ein beeindruckendes Bild, das nocheinmal durch den Einzug der vielen Pfarrer ( wie viele genau kann ich kaum sagen, auf jeden fall viele) getoppt wurde.
Zu den Gäste des Gottesdienstes gehörte unter anderem der Sultan von Bamoun, einer der traditionellen Herrscher der Region.
Der Gottesdienst, sammt Taufen unter anderem durch die Mitglieder der delegation, Konfirmation, Abendmahl und sämmtlichen Begrüßungs- und Dankes- so wie Festreden zog sich dann zu einer Länge von 6 Stunden hin. Daher nun ein kurzer Exkurs zu den Höfflichkeitsregeln im Gottesdienst. Am höfflichsten ( falls man nicht mehr dem Gottesdienst folgen kann) ist es, sich ein Buch in die Bibel zu legen, oder sich evtl mit seinem Handy zu beschäftigen, aber so, dass es möglichst nicht auffällt.
Am zweithöfflichsten ist es einfach einzuschlafen - wovon dann auch viele gebrauch machen. Und am unhöfflichsten ist es einfach aufzustehen und zu gehn.
Aber auch dieser Gottesdienst hatte dann mal ein Ende, sodass man sich mal wieder zum Essen auf machen konnte. Diesmal im Saal der Regierungspartei. Obwohl das Anstehen doch einige Zeit dauert wird sich zum Essen nicht viel zeit gelassen, und so waren wir auch recht schnell wieder im Centre.
Nach knapp einer Stunde Pause ging es auf zur Uni der EEC. Diese wurde erst vor einem Jahr gegründet, befindet sich also quasi noch in den Kinderschuhen. Die Idee die sie hatten ist wirklich gut, was aber schade ist, und auch von der Unileitung selbst kritisch gesehn wird, ist, dass dort derzeit aufgrund der hohen Studiengebühren nur sehr reiche Schüler studieren können. Nach einer Lösung für dieses Problem werde allerdings gesucht.
Im Anschluss ging es mal wieder Essen, diesmal zu Hause beim Direktor der Universität. Der Empfang gleicht einer Hochzeit.
Für mich das schönste, es singt ein Chor aus Jugendlichen und nach dem Essen gehen einige Gäste mit von der Terasse weg und zu diesem Chor um mit ihnen zu singen und zu tanzen. :-). In Momenten wie diesen freue ich mich, dass ich mich entschieden habe ein Jahr hier in Kamerun zu sein und kann die Hindernisse die uns so oft im Weg stehen vergessen.
Liebe Grüße, Lena

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